Ute Krause - Illustratorin & Kinderbuch-Autorin
Cover

Die Muskeltiere
Einer für alle - alle für einen

Text und Illustrationen von Ute Krause

Klink, klink, klonk! Während der Hamster Bertram von Backenbart etwas gelangweilt in seinem goldenen Käfig auf der Terrasse einer noblen Hamburger Penthousewohnung sitzt, fallen zwei Mäuse und eine weiße Ratte von der Dachrinne in sein Zuhause. Als die drei sich als Picandou C. Saint Albray, Pomme de Terre und Gruyère vorstellen, ist der Hamster begeistert! Die französischen Namen erinnern ihn an die von ihm heißgeliebten Geschichten über die »Muskeltiere«, die er von den Hörspiel- CDs seines Besitzers kennt. Und als Hamster Bertram erfährt, dass Gruyère sein Gedächtnis verloren hat, ist er wild entschlossen, seinen neuen Freunden zu helfen und aufregende Muskeltier-Abenteuer zu erleben ...

cbj Verlag
208 Seiten · gebunden
ab 8 Jahren

  • Hör-CD, cbj audio
Auszeichnungen
  • SPIEGEL Bestsellerliste Kinderbücher
  • Buch des Monats, Volkacher Akademie für Kinder & Jugendliteratur
  • ver.di-Literaturpreis Berlin-Brandenburg 2017
Buchübersicht
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»Lustig, spannend, große Klasse!«
Der Tagesspiegel

»Witzige und spannende Geschichten«
Kölner Stadtanzeiger

»Ich habe mich bei dieser Geschichte köstlich amüsiert, sie ist wie geschaffen für Vorleseabende mit Kindern ab fünf oder für Selberleser ab acht.«
Westdeutsche Allgemeine

»Kleine Helden, große Taten, ein Buch zum Verlieben.«
Neues Deutschland

»Mit viel Humor, charmantem Sprachwitz und liebevoll gezeichneten Charakteren ist das bunt illustrierte Abenteuer von Bestsellerautorin Ute Krause höchst amüsant.«
Kinder BÜCHER

»In der Erkenntnis, dass jeder auf seine Art ein mutiges und unverzichtbares Muskeltier sein kann, steckt das grosse Leseglück, das uns diese Geschichte beschert.«
Tagesanzeiger, Schweiz, Christine Lötscher

»Die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin hat eine humorvolle Geschichte voller Sprachwitz und mit überaus charmanten Protagonisten verfasst.«
Cellesche Zeitung

»Das Buch ist voller Witz und Abenteuer. Wetten, ihr könnt mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören?«
Dithmarscher Landeszeitung

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Bertram von Backenbart rekelte sich in seinem goldenen Puderbad. Er wälzte sich kurz nach links und kurz nach rechts und betrachtete dann mit halb geschlossenen Augen, wie der Puder um ihn herum aufstob und im Sonnenlicht tanzte. Aus dem Radio kam leise »Killing me softly«, und im Hintergrund hörte Bertram den Staubsauger. Serafina, die Putzfrau, war dabei, die Wohnung sauber zu machen. Sie hatte die großen Glastüren aufgeschoben und Bertrams Käfig auf den breiten Balkon vor dem Kinderzimmer gestellt. Der Balkon lag im obersten Stock. Von hier aus hatte Bertram einen weiten Blick über die Elbe. Das Leben ist gut, dachte er und betrachtete seine hübschen, ebenmäßig geformten Krallen. Das Sonnenlicht schimmerte hindurch und ließ sie in reinstem Weiß und Rosa erglühen.
»Sogar sehr gut.«
Er wusste, dass viele Goldhamster in winzigen Käfigen in Baumärkten, in Zoohandlungen oder bei Kindern lebten, die längst nicht so viel Platz hatten wie sein Herrchen, oder besser gesagt, sein Kind. Es trug den wohlklingenden Namen Tassilo.
Bertram konnte von Glück reden, dass Tassilo immer nur das Beste vom Besten geschenkt bekam. Auch Bertram von Backenbart entstammte der edelsten Goldhamster-Zucht. Sämtliche seiner Vorfahren waren preisgekrönt gewesen und hatten sich, wie seine Mutter erzählte, durch ihren Mut und ihre Stärke ausgezeichnet. Und weil Tassilos Eltern an nichts sparten, außer an Zeit für ihr Kind, kam Bertram gleich mit dem XL-de-luxe-Käfig samt elektrischem Laufrad mit verstellbarer Geschwindigkeit als Geschenk auf Tassilos schwer beladenen Geburtstagstisch.
Eine vierstöckige Hamstervilla mit goldener Puderwanne gehörte dazu, ein Minihäcksler, der die Salatblätter für Bertram in mundgroße Stücke schredderte, und eine Bar mit Wasser, das nach verschiedenen Gemüsesorten schmeckte. Bertram besaß das, wovon jeder Hamster träumte.
Dennoch lag ein Schatten über diesem luxuriösen Leben. Es war ein kleines bisschen eintönig. Um nicht zu sagen: Es war stinklangweilig. Das klang natürlich verwöhnt, wie Bertram sich eingestehen musste. Aber manchmal packte ihn eine so starke Sehnsucht nach etwas »mehr« in seinem Leben. Was das »mehr« genau sein könnte, wusste er selbst nicht genau, aber manchmal hatte er so ein leeres, ziehendes Gefühl im Bauch, und das lag nicht etwa am Hunger.
Das Einzige, was dann half, waren Tassilos Hör-CDs. Die machten Bertram glücklich. Er tat nichts lieber, als Geschichten von wagemutigen Abenteurern, gefährlichen Seereisen und Drachenkämpfern zu lauschen. Seine Lieblings-CD handelte von vier mutigen Freunden namens Athos, Porthos, Aramis und D’Artagnan, die sich mit ihren Degen duellierten und ihr Leben für die Ehre einer Königin aufs Spiel setzten. Am liebsten stellte Bertram sich vor, er wäre D’Artagnan, der Held dieser Geschichte, und würde mit drei Freunden aufregende Abenteuer erleben.
Bertram seufzte. Wenn Tassilo doch nur wieder eine CD auflegen würde. Aber in letzter Zeit sah er den Jungen nur noch selten. Tassilo, das war die bittere Wahrheit, hatte inzwischen jedes Interesse an Bertram und auch an seinen Hörbüchern verloren. Serafina war die Einzige, die daran dachte, den Käfig zu säubern und ihn ab und zu an die frische Luft zu stellen.
Schläfrig öffnete Bertram ein Auge. Sein Blick glitt über die glitzernde Weite der Elbe. In der Ferne lag der Hafen, wo gerade ein großes Containerschiff einlief. Plötzlich fing sein elektrisches Laufrad an zu summen. Bertram öffnete überrascht beide Augen und lugte über den Rand seiner goldenen Badewanne. In seinem Laufrad bewegte sich etwas. Das Rad drehte sich so schnell, dass es auf Stufe drei eingestellt sein musste.